Einschlafen im Yoga Nidra – darf das sein?

Die wohl häufigste Frage rund um Yoga Nidra:
Ist es okay, wenn ich dabei einschlafe?

Die kurze Antwort: Ja.
Die etwas längere Antwort: Es kommt darauf an, wofür du Yoga Nidra gerade „einsetzt“.

Was meinen wir mit „Einschlafen“ überhaupt?

Oft bedeutet es gar nicht, dass du wirklich geschlafen hast – sondern einfach nur: Du hast den Text nicht mehr bewusst wahrgenommen.
Und das ist völlig in Ordnung.

Im Yoga Nidra geht es nicht darum, jedes einzelne Wort zu hören oder mit dem Verstand zu analysieren. Die gesprochenen Worte sind eher ein sanfter Anker – etwas, woran sich dein Geist entlanghangeln kann, während er gleichzeitig abschweift.
Dieses Abschweifen ist etwas anderes als das zwanghafte Gedankenkreisen, das viele von uns nur zu gut kennen.

Kleiner Exkurs: Das Gedankenkarussell

Einer der häufigsten Gründe, warum Menschen mit Yoga Nidra beginnen, ist der Wunsch, das Gedankenkarussell zu beruhigen.

Meistens gelingt das im Laufe einer Yoga Nidra-Session – aber nicht immer.
Gerade Anfänger:innen oder Menschen in besonders stressigen oder bewegungsarmen Phasen kennen das: Die Gedanken bleiben laut und unruhig.

In Meditationskreisen wird dann oft empfohlen, „durch alle Gedanken hindurch zu meditieren“ – auch durch die unangenehmen und chaotischen.
Hier darfst du aber auf dein Körpergefühl hören. Manchmal ist das passend und manchmal ist es hilfreicher, aufzustehen und einen Spaziergang oder Sport zu machen, bevor du es nochmal mit Yoga Nidra versuchst.

Zurück zum Einschlafen: Tiefenentspannung oder richtiger Schlaf?

Manchmal gleiten wir während Yoga Nidra so tief weg, dass wir das Gefühl haben, gar nichts mehr mitbekommen zu haben.

War das dann Schlaf? Vielleicht.
Vielleicht warst du aber auch einfach nur in einem Zustand tiefer Entspannung – so tief, dass dein Bewusstsein fast vollständig zur Ruhe gekommen ist.

Gerade in stressigen oder schlafarmen Zeiten passiert das schnell – und oft ist es genau das, was Körper und Geist dann brauchen.

Mein persönliches Credo:

„Du kannst Yoga Nidra nur richtig machen!“

Ich erlebe es immer wieder: Menschen, die besorgt sind, Yoga Nidra „falsch“ zu machen.
Wundern tut mich das nicht.
Wir sind so auf Leistung und Kontrolle getrimmt, dass wir selbst bei etwas, wo es ums Loslassen geht, denken, wir müssten es im Griff haben.

Wofür nutzt du Yoga Nidra?

Es lohnt sich, dich ab und zu selbst zu fragen:

✅ Nutze ich Yoga Nidra gerade zur Erholung?
✅ Möchte ich damit besser einschlafen?
✅ Oder geht es mir um persönliche Weiterentwicklung?

Je nach Motivation darfst du deine Haltung dazu anpassen:

Zur Erholung:
Du darfst vollkommen wegdriften – besonders in Phasen mit wenig Schlaf, emotionalen Herausforderungen oder großen Veränderungen.
Auch Yoga Nidra-Anfänger:innen sind eingeladen, es einfach geschehen zu lassen.

Direkt Abends zum Einschlafen:
Auch das kann wunderbar funktionieren, selbst wenn Yoga Nidra ursprünglich nicht dafür gedacht war.
Viele berichten, dass es ihnen genau dabei hilft.
Probiere es ruhig für dich aus – es gibt hier kein „richtig“ oder „falsch“.

Zur persönlichen Weiterentwicklung:
Hier lohnt es sich, dich auszurichten.
Wenn du versuchst, während der Übung bewusster zu bleiben, kann sich eine tiefere Dimension von Yoga Nidra entfalten.

Kleine Hilfsmittel dafür:
💧 Ein Tropfen Pfefferminzöl auf die Schläfen
🪑 Yoga Nidra im Sitzen praktizieren
🖊️ Dir vornehmen, danach kurz über deine Gefühle oder eine aktuelle Lebensfrage zu schreiben

Fazit

Jede Yoga Nidra-Erfahrung ist einzigartig.
Mal bist du ganz wach.
Mal bekommst du wenig mit.
Mal schläfst du ein bisschen ein.

Alles darf sein.

Das Wichtigste dabei: Sei freundlich mit dir selbst.
Du darfst einschlafen.
Du darfst wach bleiben.
Du darfst immer wieder neu herausfinden, was für dich gerade stimmig ist.