Was ist der Unterschied zwischen Meditation und Yoga Nidra?

Immer mehr Menschen interessieren sich für Methoden, die einen Zugang zu anderen Bewusstseinsebenen ermöglichen.
Der Hintergrund dafür ist, dass im Wachbewusstsein nur mit sehr viel Aufwand und Willenskraft unser Verhalten beeinflusst werden kann. Wohingegen in Bereichen des Unter- und Unbewusstseins positive Veränderungen viel leichter möglich sind.

Die Praktiken von Meditation und Yoga Nidra existieren seit Jahrtausenden. Selbst wenn sich die Herangehensweisen von Kultur zu Kultur unterschieden haben, so wusste die Menschen schon immer um das Potential der verschiedenen Bewusstseinsebenen.

Wenn wir heutzutage von Meditation sprechen, dann ist dieser Begriff nicht klar definiert und wurde verschiedensten Techniken quasi übergestülpt. Viele davon haben ihren Ursprung in Indien, aber es gibt auch Meditationsformen aus dem Sufismus, Christentum usw.
All die verschiedenen Meditationsformen, die unter dem Schirm des Begriffs Meditation zusammenkommen, sind genauso wenig eindeutig kategorisierbar.
Unter ihnen gibt es Gemeinsamkeiten aber auch große Unterschiede. Die „Techniken“ der Meditationen reichen von Atempraktiken, zu Achtsamkeitspraktiken, zu Konzentration auf ein Objekt, zu Gesängen, Gebeten und Mantren, um nur einige zu nennen.

Die Ursprünge der Meditation haben spirituelle und religiöse Wurzeln. Inzwischen gibt es aber auch unzählige säkulare Stile, die sich von religiösen Ausrichtungen distanziert haben.

Die traditionelle Absicht (falls hier überhaupt von dem Wort Absicht gesprochen werden kann) der Meditation liegt im Bereich der Selbsterkenntnis, der Annäherung an eine göttliche Kraft oder auch der Auflösung des Egos.

Modernere Versionen wie die MBSR-Methode nach John Kabat-Zinn hingegen, legen ihren Fokus eher auf die positiven gesundheitlichen Auswirkungen von Meditation. Die Wirkung von Meditation bei Stress, Depression, Schlafschwierigkeiten hin bis zu chronischen Schmerzen sind inzwischen ausreichend erforscht.

Yoga Nidra ist eine sehr spezielle Form der Meditation.

In Yoga Nidra befindet sich der/die Praktizierende in Zwischenbereichen von Meditation, Traum und Schlaf. Die Yoga Nidra Methode ist so konzipiert, dass die gleichen Gehirnwellen – Stadien durchlaufen werden, die man auch beim Einschlafprozess durchläuft. Mit einem Unterschied: Das Bewusstsein soll dabei wach bleiben. (Was nicht immer klappt, aber das ist ein anderes Thema.)
Traditionelle Yoga Nidra Schriften besagen, dass mit etwas Praxis sogar ein sehr spezifischer Zustand erreicht werden kann, der sich jenseits von Traum und Schlaf befindet. Dieser Zustand nennt sich Turiya und ist wie ein Überbewusstsein zu verstehen, welches in manchen Texten auch mit dem Gamma-Gehirnwellenbereich in Verbindung gebracht wird.

Unterschied Yoga Nidra und Meditation.
  1. Liegen statt Sitzen.
    Im Vergleich zu den meisten bekannten Meditationsformen, findet Yoga Nidra normalerweise im Liegen statt. (Was nicht heißt, dass es nicht auch im Sitzen geht.)
    Bei der Meditation geht es eher darum, die Wahrnehmung zu verbessern und die Aufmerksamkeit bzw. Achtsamkeit zu schulen.
    Im Yoga Nidra hingegen werden Körper und Geist in „den Schlaf geführt“.
    Da im Yoga Nidra der/die Praktizierende in Delta Gehirnwellen Bereiche gelangt, was in sitzender Meditation enorm viel Übung braucht, kann geistig und körperlich tiefer regeneriert werden.
  2. Leichter für Anfänger*innen.
    Aufgrund des Liegens und der „Erlaubnis“ loszulassen ist Yoga Nidra viel leichter zu erlernen.
    Gerade für Anfänger*innen kann die sitzende Meditation eine Qual sein.
    Natürlich weiß ich, dass es manchmal eine gewisse Anstrengung braucht, um etwas in Bewegung zu bringen.
    Trotzdem bin ich ein großer Fan von liebevoller Selbstfürsorge. Warum darf es denn nicht einfach mal angenehm sein?
    Besonders für uns Menschen der westlichen sitzenden Gesellschaft ist es Balsam für die Seele, sich schamlos hinzulegen und auszuruhen.
    Das hat für mich sehr viel mit Hingabe zu tun. Wann kommen wir schon in den Genuss wirklich mal alle Viere von uns zu strecken und die Kontrolle abzugeben?
  3. Integration einer Absicht.
    In der Meditation geht es darum, in bestimmten Bewusstseinszuständen zu SEIN.
    Im Yoga Nidra geht es sogar noch weiter. Dort wird dieser Bewusstseinszustand genutzt, um mit Hilfe eines Sankalpas (Sanskrit für Versprechen/Herzenswunsch/Affirmation) im Unterbewusstsein hinderliche in förderliche Verhaltensweisen umzuprogrammieren.
Yoga Nidra oder Meditation?

Falls Du Dich jetzt frägst, welche Form Du am besten praktizieren sollst, dann vertraue bitte auf deine Intuition. Für mich sind beide wie Geschwister, beide haben ihre Qualitäten. Oftmals erleben Menschen, die mit Yoga Nidra starten, dass ihnen die sitzende Meditation dadurch leichter fällt.
Du kannst zwischen beiden abwechseln, oder dich phasenweise (oder für immer) nur auf eine fokussieren.
Solltest Du im Alltag wenig Zeit haben, empfehle ich Yoga Nidra, weil es schneller funktioniert und den Körper leichter regeneriert.

Referenzen:
Die Kraft der Meditation von Peter Sedlmeier.
Yoga Nidra von Kamini Desai.